Aurora Scotchealis – Whisky Tasting 4.0

Langsam öffne ich die Augen. Das erste Licht des neuen Tages fällt durch die Jalousien in das Zimmer. Rauchiger Geschmack ist im Mund. Aber da ist noch was… Der Nachklang von Speck? Ich schrecke hoch. Sollte ich gesündigt haben? Woher kommen diese Aromen? Und das nach dem Schlaf? Bin ich in die Küche geschlafwandelt?

Doch halt. Rekapitulieren wir den Abend. Es war Samstag. Wir haben immer noch Corona. Es kann keine wilde Party gegeben haben. Aber es war- Versammlung! Ich habe einen Verdacht. Die Erinnerung kommt zurück. Nach der Versammlung hatten der Leutnant, Hans S. und Manfred noch etwas für uns Vorbereitet. Jeder von uns hatte eine kleine Papp-Schachtel und ein Packet Salamis erhalten. Auf der Schachtel prangte stolz unser Wappen. Doch wir durften Sie erst nach der Versammlung öffnen. Die Versammlung war schnell vorbei (was gibt es auch aktuell groß zu besprechen?). Nun konnte der gesellige Teil des Abends beginnen. Patrick führte durchs Programm „Wir wollen heute ein kleines Tasting mit euch vornehmen. In den letzten Tagen haben Hans, unser Thekenadmiral Manni und ich jedem von euch ein kleines Packet geschnürt und gebracht. Dieses dürft ihr nun öffnen“. Im Zoom-Meeting verschwinden die Köpfe nach unten und es raschelt. Die Päckchen werden geöffnet und man vernimmt allenthalben ein „Oh“ und „Ah“. Vier Phiolen liegen dort, passgenau eingesetzt, in der Box. Auf jeder eine Nummer vermerkt, von Eins bis Vier. Die güldene Flüssigkeit im Innern schimmert verheißungsvoll.

„Sind das Urinproben?“ fragt ein Banause. „Keineswegs. Nehmt euch den Beipackzettel zur Hand!“ Tatsächlich, ein gefaltetes DIN A4 Blatt ist dem Paket beigelegt. Wir beginnen ein Fehlerlesen des Textes. Das Schriftstück, verfasst vom Thekenadmiral persönlich (!), lädt uns auf eine spannende kulinarische Reise ein. Eine Reise für unseren Gaumen, raus aus dem Wohnzimmer, raus aus dem Rheinland, über den Ärmelkanal, steil nach Norden, in das raue Klima Albas, hin zum schottischen Whisky. Während einige eklatante Defizite im Lesevermögen offenbaren, zeigen sich bei anderen beste Gutenachtgeschichten-Vorleser-Qualitäten. Der Text ist bald geschafft und endet mit ein paar persönlichen Worten unseres Thekenadmirals. Sichtlich gerührt freuen wir uns auf diese kleine Expedition. „Wir beginnen unsere Reise in den Lowlands, auf den satten grünen Feldern Schottlands, wo die Gerste üppig gedeiht und die Killpatrick Hills die Silhouette der Landschaft schmeicheln. Hier wird seit 1823 gebrannt. Schenkt euch Probe Eins nun in ein Glas mit verjüngendem Hals ein und riecht das Bouquet!“ Hm, was riecht man da? Vanille? Kokosaromen? Wir diskutieren angeregt. „Dreifach gebrannt und 12 Jahre im Fass aus amerikanischer Eiche gelagert, haben wir hier einen Auchentoshan vor uns. Probiert ihn!“ Wir nippen an unseren Tumblern, Nozzing- oder Obstler-Gläsern. Was schmecken wir? Vanille-Creme, Kokosnuss, Pfirsich und im Abgang… Spuren von Gewürzen. Sehr interessant! Der erste Kandidat findet guten Anklang bei der Gruppe.

Der Leutnant hat vor der nächsten Runde noch ein kleines Quiz über das Nationalgetränk der Rock-Träger erstellt. Via Kahoot können die Nordlichter unkompliziert mit ihrem Smartphone am Quizz teilnehmen. Für Kurzweil ist gesorgt!

Wir spülen unsere Gläser nach dem Trunk mit Wasser um und setzen unsere Reise fort. Wir reisen weiter gen Norden, in die Region zwischen Inverness und Aberdeen. Hier ist die Speyside, eine Region, die sich durch ihre runden und feinen Whiskys auszeichnet. Am Ufer der Spey gelegen, liegt hier das Zentrum der schottischen Whisky-Produktion. Doch welchen Vertreter hatte Manni uns hier mitgebacht? In der Nase weich und mit süßen Apfelaromen, im Mund schmackhafter Sherry, Früchte und Schokoladen-Noten. Grade für unseren Whisky Kenner Kai eine Offenbarung. „Super lecker“. „Ganz was feines“. Doch was haben wir hier im Glas? „Einen 12 Jahre alten Aberlour“.

Es schließt sich eine weitere Runde „Aurora Scotchealis“-Quiz an. Was war noch mal die Hauptzutat von diesem Getränk? Hätt ich doch besser aufgepasst!

Diese erste Hälfte unseres Trips war schon ein Erlebnis, wie geht es weiter? „Nun auf nach Baile Dhubhthaich, wie die Einwohenr sagen. Oder Tain, wie es im Englisch heißt. In die Sagenumwobene Region Schottlands: Die Highlands. Hier, an der Südostküste des Dornoth Firth, sinkt die Sonne ins Meer. Das Glitzern auf den Wellen erinnert stark an die Flüssigkeit in unserem Glas. „Wir haben hier einen „Lasanta“ vor uns. Dieser Tropfen wird in der Glenmorangie-Brennerei gebrannt. Diese verwendet die höchsten Brennblasen in Schottland. Acht Meter hohe Apparate, die den Whisky besonders mild und weich machen.“ Bei dieser Verkostung kommen uns Aromen von Sultaninen, Toffee, Honig und im Nachhall noch was Orange in den Sinn. „Schmeckt genau wie die ersten Zwei“ frötzelt einer und schüttet sich die Probe in die Cola. Der Thekenadmiral macht sich gedanklich eine Tötungsliste.

Die letzte Quiz- Runde steht an. Dem Gewinner winkt eine Flasche dieser flüssigen Delikatesse. Hans Schmitz, Christoph, der Corporal, Marvin und Malte sowie Alex sind ganz weit Vorne.

„Kommen wir zum Finish! Ein besonderer Brant aus der seegepeitschten Region der Hebriden, von der Insel Islay.“ Dunkelgold rinnt die Flüssigkeit ins Glas. Rauchiger Geruch macht sich breit. „Ein perfekter Whisky für die kalte Jahreszeit. Durch die Mälzung über Torf bekommt dieser Proband seine rauchige Note.“ so der Thekenadmiral. Kaum berührt das uisge beatha, das “Wasser des Lebens” die Zunge, schmeckt man Schinken und eine gute Zigarre gleichzeitig. Was für ein Erlebnis! Hier spalten sich die Geschmäcker sehr. Die einen feiern ihn, die anderen können dieser Probe nichts abgewinnen. Der Captian schenkt sich nach. „Wir haben hier einen 16jährigen Lagavulin“. Die Aromen hier sind sehr ausgeprägt und was Spezielles. Slàinte Mhath!

Es folgt eine rege Diskussion für und wieder der einzelnen Proben, die Favoriten werden erklärt und Erfahrungen über reale Schottland-Besuche ausgetauscht. Der Leutnant ruft zur Siegerehrung: Malte und Alex teilen sich den ersten Platz! Da zeigt sich der Gentleman in unserem Cola-Pfuscher und überlässt Malte die gute Flasche.

Ende Gut, Aurora gut. Leicht beschwingt beenden wir die Sitzung und fallen ins Bett. Was ist das für ein Geschmack im Mund…

Der Captian. Allen Whisky Liebhabern gewidmet.

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